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Dienstag, 19. Januar 2016

Unsichtbar für Männer?

Wie kommt es, dass ich mich jetzt mit Normalgewicht oft immer noch genauso unsichtbar fühle, wie früher, als ich noch 155 kg gewogen habe?

Als ich dick war, wollte ich nur eins: unsichtbar sein. Ich schämte mich nicht nur dafür, wie ich aussah, sondern auch dafür, dass mir JEDER mein Problem ANSAH und sich sein Urteil darüber bilden konnte. So oft habe ich mir eine andere Sucht gewünscht - Alkoholismus, Heroin, Rauchen - egal was. Ich dachte, dass es schon eine Erleichterung sein müsste, wenn mir nicht jeder auf den Kopf zusagen konnte, das und was für ein Problem ich hatte.

Je dicker ich wurde, desto dringender wurde mein Wunsch nach Unsichtbarkeit aber desto mehr fiel ich natürlich auf. Ich wurde als Kind und als Erwachsene das Ziel von Spott und Diskriminierung. Und trotzdem wurde mir, in gewisser Hinsicht, mein Wunsch erfüllt. Ich wurde durch mein auffälliges Übergewicht trotzdem unsichtbar - für Männer.

Donnerstag, 19. November 2015

Dick geträumt

Können mir meine Träume dabei helfen, herauszufinden, warum ich in den letzten Monaten zugenommen habe?

Mittlerweile hat ja jeder schon davon gehört, dass unsere Träume unser Verbindungsglied zu unserem Unterbewusstsein sind. Ich finde meine Träume jedoch meistens eher verwirrend als hilfreich. Allerdings wurde ich vor ein paar Tagen wieder daran erinnert, dass man Träume zum Lösen von Problemen nutzen solle. Man müsse sich einfach nur abends vornehmen, dass man sich am nächsten Morgen an seine Träume erinnern will und schon hat man vielleicht etwas mehr Informationen darüber, was in einem so vorgeht.

Ich habe nämlich ein Problem, über dessen Lösung ich mir überhaupt nicht im Klaren bin. Ich nehme zu. Seit dem Frühling sehe ich jeden Monat auf meiner Waage ein bis zwei Pfund mehr. Da ich mich aber strikt an meinen Essplan halte, weiß ich, dass diese Gewichtszunahme nicht vom Überessen kommt. Nun kann es ja sein, dass mein Körper jetzt weniger Kalorien braucht als früher und ich meinen Essplan dahingehend anpassen muss. Dabei habe ich genau das in den letzten vier Jahren bereits zwei Mal gemacht. Wo soll das noch enden?

Dienstag, 15. September 2015

Esssucht: Den Tiger mehrmals täglich aus dem Käfig lassen

Jeder Bissen, den ich zu mir nehme, birgt die Gefahr, dass er bei mir eine Essattacke auslösen kann. Es gibt nur einen Weg, der für mich funktioniert, um ein gesundes Essverhalten dauerhaft beizubehalten: Ein Essplan.

Wenn ich eine Tüte Chips anfange, kann ich nicht aufhören bevor sie nicht leer ist. Wenn ich eine Tafel Schokolade vor mir liegen habe, kann ich mir noch so oft vornehmen, nur einen Riegel zu essen - ich werde immer die ganze Tafel verputzen. Das hört sich bestimmt auch für Nicht-Esssüchtige ziemlich normal an. Aber bei mir ist es nie bei nur einer Tüte oder einer Tafel geblieben.

Freitag, 28. August 2015

Was hat Indiana Jones mit Dickendiskriminierung zu tun?

Egal wie alt ich auch werde, ich scheine Menschen immer noch erst einmal nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen.

Ich gehe in Meetings für Esssüchtige und dort tauchen immer wieder Neulinge auf, die, das liegt in der Natur dieser Meetings, oft stark übergewichtig sind. So lernte ich vor ein paar Monaten auch Sarah kennen. Ich unterhielt mich immer wieder mal ein wenig mit ihr, wenn ich sie auf einem dieser Meetings traf. Sie war nett, ungefähr 10 Jahre älter aber eher von der schweigsamen Sorte. Sie erzählte nicht viel von sich. Als sie zu uns kam, wog sie ungefähr 150kg und da sie schon etwas älter war, sah auch alles nicht mehr so sonderlich straff dabei aus.

In unseren Meetings lesen wir viel aus der empfohlenen Literatur und wir erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten als Esssüchtige und wie wir es jetzt schaffen abstinent vom Überessen zu bleiben. Neulinge dürfen aber erst vor der Gruppe sprechen, wenn sie 90 Tage abstinent vom Überessen und von Mehl und Zucker sind. Aber nach diesen drei Monaten werden besonders die Neuzugänge ermutigt, ihre Lebensgeschichte in den Gruppen zu erzählen.

Vor etwa drei Monaten war dann Sarah dran, der Gruppe von sich zu erzählen. Ich hörte ihr zu und bin dabei etwa alle 10 Sekunden fast von meinem Hocker gefallen.

Samstag, 8. August 2015

Was ist eigentlich Esssucht?

Mir ist die letzten Tage etwas bewusst geworden: Ich erwähne oft in meinem Blog, dass ich noch vor ein paar Jahren sehr übergewichtig war. Vielleicht benutze ich hier und da auch mal das Wort Esssucht. Aber eigentlich bin ich diesem Thema in meinem Blog bis jetzt immer ein wenig aus dem Weg gegangen. Dabei ist es mir so ein großes Anliegen, zu verbreiten, dass es so etwas tatsächlich gibt. Dieses Anliegen ist mir sogar so wichtig, dass ich ein Buch darüber geschrieben habe (aber noch nicht veröffentlicht).

Was ist also Esssucht?
Es gibt auf der Webseite der Overeaters Anoymous eine Checkliste, die ich sehr hilfreich finde, wenn jemand sich nicht sicher ist, ob er/sie einfach nur schlechte Essgewohnheiten hat oder wirklich süchtig nach Essen ist.

Die Esssucht hat viele Gesichter. Genau wie Alkoholismus, sind die Symptome nicht bei jedem Menschen gleich. Manche Menschen können nicht aufhören zu essen, sobald sie damit angefangen haben, andere kotzen, sobald sie sich etwas Essbares in den Mund gesteckt haben, wiederum andere weigern sich überhaupt etwas zu essen. Aber uns allen ist eines gemeinsam: Die Besessenheit vom Essen. Egal ob Überesser, Bulimiker oder Magersüchtige - wir alle sind gedanklich ständig mit dem Essen beschäftigt. Andauernd sind wir dabei, mit uns irgendwelche Regeln auszuhandeln, wann wir was und wie viel essen können, nur um diese Regeln immer wieder zu brechen. Dann nehmen Schuldgefühle und Selbsthass einen so breiten Raum ein, dass sich manche dann am liebsten das Leben nehmen möchten.

Meistens funktionieren wir so halbwegs. Aber eigentlich nur gerade mal so.